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Abfüllen in Venezuela

Geschrieben von Georg Senftl am 10. Juli 2006 um 10:04 in Klebstoff & Chemie, Food & Pharma

Nachdem wir bereits mehrere Abfüller für Farbe, Fruchtmassen und anderes nach Venezuela geliefert haben, hat mich mein örtlicher Vertreter gebeten, mal eine Woche zusammen mit ihm Kunden zu besuchen.
Etwas aufgeregt, denn man hört ja so einiges über z.b. Kriminalität, bin ich dann in Caracas angekommen. Sehr positiv überrascht war ich von der Freundlichkeit der Leute, alle sind sehr schick und sauber gekleidet, auch die Armen. Die meisten Landesteile Venezuelas’s sind sehr fruchtbar, damit eine ideale Basis für Firmen wir Kraft oder Heinz, um Fruchtbreie und dergleichen herzustellen. Diese sind damit ja eine Hauptzielgruppe wenn es um das Abfüllen viskoser Produkte geht. Kriminalität wird nur am Rande spürbar, so sind viele Firmen oder Tankstellen mit bewaffnetem Personal gesichert. Einen Kunden konnten wir auch wegen ‚lokaler’ Unruhen nicht besuchen. Nicht gefasst war ich auf den chaotischen Verkehr, hier fahren sehr viele uralte Ami-Schlitten (bei Benzinpreisen von 4 Cent pro Liter spielt der Verbrauch wirklich keine Rolle), Hauptsache das Auto fährt. Funktionierendes Licht oder Reifen mit Profil interessieren hier wirklich niemanden, und bei Dunkelheit sind rote Ampeln nur eine Empfehlung, was dazu führt, dass man bei Grün sehr vorsichtig fahren muss!
Doch nun zum Abfüllen und eine kurze Beschreibung einiger Kunden. Der erste Kunde stellt Kautabak her, ein grässliches Zeug, die Basis dazu sind stark eingedickte, gekochte Tabakblätter. Das sieht dann teilweise wie gekauter Kaugummi aus, ist aber mit unserer Technik gut pumpbar. Letztendlich soll ein Endlos-Strang hergestellt werden. Technisch sehe ich hier kein Problem, so was ähnliches hat ViscoTec schön öfters gemacht. Allerdings müssen da noch so viele andere Prozesse von Handabfüllung auf ‚automatischen Betrieb’ umgestellt werden, das wird dauern.
Ein anderer Kunde stellt Kühlgel für Autoklimaanlagen her und hat seit zwei Jahren einen Abfüller mit Unterspiegelabfüllung von uns. Die Anlage hat zwei Jahre gut funktioniert, aber dann gab es ein ‚Problem mit der Steuerung’. Als ich hinkam, großes Erstaunen: da war zwar noch unser Steuerschrank da, aber das Innenleben war völlig anders. Venezuelaner haben ein großes Improvisationstalent, was viele Sachen vereinfacht und letztendlich auch zu einer brauchbaren Lösung führt. Hier hat das allerdings nicht funktioniert, da ist unsere Steuerungstechnik wohl zu kompliziert. Ich konnte dann auch nicht viel tun, habe aber zumindest life miterlebt, was Temperaturen um die 30°C und eine Luftfeuchtigkeit von über 95% den Leuten und auch der Technik abverlangen.
Positiver war es beim nächsten Kunden, der bereits einige Abfüller für Dispersionsfarbe von uns hat. An einer Station wird die relativ dickflüssige Dispersionsfarbe (Venezuelaner streichen ihre Häuser sehr bunt) in 20-Liter-Eimer abgefüllt, 18 Eimer pro Minute mit einem Abfüller. Wir haben einen Abfüller in dieser Größe noch nie gebaut, und dann auch gleich nach Venezuela geliefert. Der Abfüller lief aber prima, die haben nicht mal von uns eine Inbetriebnahme gebraucht. Das freut einen dann schon riesig.
Wir haben dann auch einige große internationale Kunden im Foodbereich besucht, unter anderem Heinz. Als ich unsere Fassentleersysteme, mit denen wir Fruchtmassen, Tomatenmarkt oder anderes hochviskose Sachen  aus Fässern pumpen, vorstellen wollte, kurzes Abwinken: ‚kennen wir schon’. Ich war etwas erstaunt, bis sich herausstellte, dass der Plantmanager vorher 3 Jahre bei Heinz in China war und da ein Fassentleersystem von Viscotec im Einsatz hatte. Auch hier ging es um das Dosieren von Fruchtmassen aus 200-liter-Fässern in einen Mischkessel, allerdings sind die Mengen sehr unterschiedlich von 5 bis 200 kg, das bei 5 verschiedenen Fruchtpasten. Technisch kein Problem, allerdings schon, wenn man die Kosten einer eleganten technischen Lösung mit den doch sehr niedrigen Lohnkosten der manuellen derzeitigen Handhabung sieht.
Generell wurde ich überall mit offenen Armen empfangen, da es hier wohl nicht so viele Firmen gibt, die sich gut mit Abfüllen oder Dosieren auskennen. Auch wenn viel noch per Hand gemacht wird, ist doch auch vieles stark automatisiert. So gibt es z.b. hier Brauereien in einer Größe, wie man sie in ganz Deutschland nicht findet. Allerdings wird man als Berater oder Verkäufer auch leicht überfordert, da die Kunden nicht nur eine Abfüllaufgabe gelöst haben wollen, sondern am liebsten den ganzen Prozess.
Wenn die Geschäfte sich gut entwickeln, komme ich gerne wieder in dieses schöne Land, nicht zuletzt auch wegen der vielen ausnehmend schönen Frauen.
Bis bald, Ihr Georg Senftl


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